Schirmbeck Stiftung | Ärgert dich dein rechtes Auge
Heinrich Schirmbeck, Schriftsteller,
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Ärgert dich dein rechtes Auge

Ärgert dich dein rechtes Auge

15:20 10 November in Buchauszüge

VALSE TRISTE

Schrecken der Einsamkeit:: feierst du

irgendwo größ`re Triumphe

als in den Facettengehäusen

neuzeitlicher Wohnkultur?

Sieh`doch das Schweigen

weißer Asepsis! Tödlicher Reif

legt über die Nabelschnur sich –

wo sollen die Parzen noch schneiden?

Schicksale,

Kokons der Funktion,

wer wird euch zur Keimung entfalten?

Im Finsteren wohnen die Adler;

uns aber

erweist sich Gott gnädig,

wenn er sein Anlitz

verbirgt

und Wände schalldichter Taubheit

um unsere Paarung legt.

Liebe

ist melancholische Handlung

im mechanisierten Getriebe

reflexgesteuerter Wandlung

Sieh;

ein verschwiegener Griff, und der Plattenspieler

rotiert; schüttelt schluchzende Rhythmen

lendenschweißglänzender Nigger

jazzbrünstig ins Cocktailglas.

Der Televisonsschirm im Erker

liefert im leuchtenden Agfa-Color

das dünne Lächeln von Tristian Dior-

Mannequins, die schreiten wie Strauße,

Schenkelrevuen haben Hausse,

Nixen,

braun wie Gauguin-Modelle,

wellenreiten über der Stelle,

wo Schlachtschiff-Kadaver,

verseucht von Neutronen,

im Schlamme mutieren

Walspermas wohnen.

Liebe

ist nur ein bedingter Reflex

im Dschungel gebleichter Einsamkeiten;

Broschüren verkuppeln Technik und Sex,

Perlon-Dessous und Impotenz-Keks

zum Chaos durchgehender Paarungszeiten.

Godwanaland,

freundlicher Erdteil, da

Kuhmägde stöhnen im duftenden Heu,

am Melkstuhl,

gestürzt mit gespreizten Gebein:

Gadwanalnd,

Insel,

da Sünde noch wohnte,

Verdammnis noch thronte

am zitternden Ort.

Im Finsteren wohnen die Adler;

uns aber

verschonet Gott gnädig, wenn er sein Anlitz

verbirgt und

die Rabitzwand schalldichten Schweigens

um unsere Vereinigung legt.