Schirmbeck Stiftung | Heinrich Schirmbeck „Die Grünen“ Wochenzeitung „Die Unabhängigen“ Nr. 27 / 3. Juli 1980
Heinrich Schirmbeck, Schriftsteller,
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Heinrich Schirmbeck „Die Grünen“ Wochenzeitung „Die Unabhängigen“ Nr. 27 / 3. Juli 1980

Heinrich Schirmbeck „Die Grünen“ Wochenzeitung „Die Unabhängigen“ Nr. 27 / 3. Juli 1980

17:50 13 Dezember in News

Überlebensfrage für uns Deutsche

Der Schriftsteller Heinrich Schirmbeck richtete in diesen Tagen einen Brief an den Botschafter der UDSSR in Bonn mit der Bitte, ihn als persönliche Erklärung an Leonid Breschnew weiterzuleiten. Der Erklärung haben sich inzwischen angeschlossen: Prof. Wolfgang Abendroth, Schriftsteller Peter O. Chotjewitz, Prof. Walter Fabian, Schriftstellerin Angelika Mechtel, Publizist Wolfhart Ellers. Es heißt in diesem Brief u.a.:

Die Frage der welt- und bündnispolitischen Orientierung der beiden deutschen Teilstaaten in der sich gegenwärtig verschärfenden Ost-West-Polarisierung wird zunehmend zu einer Überlebensfrage für uns Deutsche. Wir sitzen auf einem Pulverfass (s. die amerikanischen Computer-Falschmeldungen über einen angeblich russischen Atomangriff) und werden als erste in die Luft gehen, falls es explodiert. Deshalb plädiere ich leidenschaftlich für eine abgewogene Außen- und Bündnispolitik, die unsere besonderen Interessen und Überlebens-Möglichkeiten als Mitteleuropäer in den Vordergrund stellt. Es wäre für unsere Zukunft lebenswichtig gewesen, wenn die wiederholten Angebote der UdSSR, Mitteleuropa zu einer atomwaffenfreien Zone zu machen, um so So den USA nicht die Möglichkeit gegeben, einen nuklearen Schlagabtausch, unter Schonung ihres eigenen Areals, zunächst in Europa stattfinden zu lassen, vom Westen aufgegriffen worden wären.

Ich setze große Hoffnung in die für diesen Sommer geplante Reise unseres Bundeskanzlers Helmut S c h m i d t nach Moskau. Die Voraussetzungen für einen Erfolg dieser Reise im Interesse des Friedens, der Völker-Verständigung, der Entspannung und eines ausgewogenen Kräfteverhältnis zwischen N A T O und Warschauer Pakt wären von der Verhandlungs-Atmosphäre besser gewesen, wenn die Bundesregierung dem Verlangen nach einem Boykott der Olympischen Sommerspiele nicht gefolgt wäre. Ich bedauere diesen Entschluss der Bundesregierung und distanziere mich aus ethischen Gründen sowohl als Privatperson wie auch als Schriftsteller, der in seinem Werk der Humanität dem Frieden und der Völkerverständigung zu dienen sucht………