Heinrich Schirmbeck Stiftung | Heinrich Schirmbeck: aus „Ärgert dich dein rechtes Auge“
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Heinrich Schirmbeck: aus „Ärgert dich dein rechtes Auge“

Heinrich Schirmbeck: aus „Ärgert dich dein rechtes Auge“

10:49 10 Dezember in News

Heinrich Schirmbeck: aus „Ärgert dich dein rechtes Auge“

Das Licht macht diese Welt erst zu einer Welt der Begehrlichkeit, der Sünde. Von der nackten Besitzgier, von der rohen Aneignung toter und kreatürlicher Materie bis zu den feinsten Ausstrahlungen der Erkenntnis, von den Niederungen der Sinnenlust bis zu den erhabensten Äußerungen des Eros: überall ist es das Licht, das die Rolle des Kupplers spielt. Denn dieses irdische Licht, dessen verlockender Glanz erst die Pforte der Sünde öffnet, ist in Wahrheit nur der verdorbene Abglanz des göttlichen Urlichtes, das den Raum erfüllte, ehe dann der Befehl des demiurgischen Schöpfer ertönte: Fiat Lux! Es werde Licht!

Wie die Materie unserer Welt von den Physikern nur als Sündenfall des Lichtes aufgefasst wird, indem sie sich durch allmählich fortschreitende Verdichtung aus der Energie des Lichtes bildete. Also ist auch eben dieses selbe Licht wieder nur ein unreiner Bastard der göttlichen Helle, zu der wir streben müssen dadurch, dass wir das Licht dieser Welt und seine Verlockungen in uns abtöten.