Schirmbeck Stiftung | Heinrich Schirmbeck
Heinrich Schirmbeck, Schriftsteller,
1486
post-template-default,single,single-post,postid-1486,single-format-standard,ajax_fade,page_not_loaded,smooth_scroll,,qode-theme-ver-2.4
 

Heinrich Schirmbeck

Heinrich Schirmbeck

18:38 20 Oktober in News

Lange habe ich überlegt,was ich überhaupt zu dem Roman „Ärgert dich dein rechtes Auge sagen möchte, kann oder darf? Denn wie Blitze rauschten Gedanken in mir auf und tief erfasste mich die Erinnerung an Heinrich Schirmbeck. Er, der diesen großartigen faustischen Roman schrieb wollte im letzten Viertel seines Lebens nichts mehr wahrnehmen und sehen. Genau wie Giselle in seinem Roman verweigerte er das Licht. Das Weltgeschehen konnte und wollte er nicht mehr ertragen. Kein Sonnenstrahl wollte er mehr in sein Haus lassen. Fenster waren mit Brettern vernagelt, draußen wucherten bis zum Dach Efeu und Dornen und als er mich 1996 endlich einmal in seine Wohnung mitnahm, erschrak ich vor dieser entsetzlichen Dunkelheit und Einsamkeit die hier beklemmend herrschte. Damals berührten sich zwei Seelen, die beide sterben wollten und nur der Gedanke in mir – Wie kann ich die Verantwortung über das beenden eines anderen Lebens tragen, brachte uns beide wieder ins Leben. Immer wieder bat mich H.Sch. Tabletten in Holland zu holen, er hatte Kontakt zu Namensverwandten aufgenommen. Dieses Ansinnen ließ mich hier oft über die Wiese zu der uralten, geliebten  Blutbuche laufen, wo ich meditierte, betete, mir Kraft und HIlfe holte. Dieses zusammen Sterben wollen, war unser Beider Wunsch oder Traum bis zu seiner letzten Stunde und doch entstand Leben. Mit Irene, einer Freundin lösten wir hier Nagel für Nagel, Brett für Brett. Langsam ging es voran, bis wir die Tür, später die Fenster hier im Atelier befreit hatten. Irene entfernte später die Meterhohen Dornen und langsam erkannte man einen Weg und anderes. Das schönste Geschenk aber war im Jahr 1998, als Heinrich Sch. mich bat, seinen ehemaligen Gärtner Mischalik zu holen, damit er den Lorbeerbaum vor seinem Fenster schneidet – er wollte wieder das Licht sehen. Ein Jahr später arbeitete H.Sch. an der Zusammenstellung des Essaybandes „Gestalten und Perspektiven“ das Buch erschien im Jahr 2000. Das Licht half ihm wieder ins Leben.

„Ärgert dich dein rechtes Auge“ ist ein Roman des Lichtes und hier spielt die Doppelnatur des Lichtes als glänzendes Symbol die Hauptrolle. Die Lichtphysik führt zu einer Lichtmetaphysik. Licht und Materie verhalten sich wie das göttliche Urlicht zum [Sündenfall] des materialisierten Lichtes. Das Auge (physikalisch gesprochen) wird zum Organ der ständig herabgekommenen Materialtät. „Um das Göttliche Licht“  zu sehen, muss man wieder in den Schoß der Blindheit zurücktreten. So war wohl auch Christus fürchterlicher Ratschlag vom auszureißenden Auge zu verstehen. Dieser Roman ist ein großartiger literarischer Versuch in die Abgründe unserer modernen Städte zu tauchen. Ohne Zweifel ein faustisches Buch und vielleicht besteht Heinrich Schirmbecks Anliegen darin, uns den Spiegel vorzuhalten und durch Schocks zum Nachdenken zu zwingen.

Robert Jungk sprach: „Wer dieses große geistige und künstlerische Experiment verstehen will, darf sich nicht auf isolierte Betrachtung von Zitaten begnügen, sondern muss sich auf den Schauplatz des Ereignisses selbst begeben, muss dieses Nebeneinander und Miteinander von Kühnheit und Reife als Gesamterlebnis in sich aufnehen, um erschüttert und zum Weiterdenken angeregt zu werden. Das ist es ja, was Heinrich Schirmbeck mit einer Inbrunst aus tiefen Herzen verkündet – wie meines Wissens kein Deutscher seit Hölderlin: ALLES GETRENNTE MUSS SICH WIEDERFINDEN!!

Wird sich das deutsche Leserpublikum dieser Leistung würdig erweisen??“