Schirmbeck Stiftung | Heinrich Schirmbeck
Heinrich Schirmbeck, Schriftsteller,
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Heinrich Schirmbeck

Heinrich Schirmbeck

Heinrich Schirmbeck

14:38 13 Juni in Allgemein

Veröffentlicht von Helga Willuweith Schirmbeck!
Heinrich Schirmbeck in einem inneren Monolog grübelt er:

„Was nur hatte mich in die magische Wüste der kybernetischen Welt gelockt? Die Lust am mathematischen Spiel? Jener letzte Rest prickelnder Ungewissheit, ob diesen Zwitterwesen aus Transistoren und Dioden nicht doch der Hauch einer Seele zu eigen sei? Kaum. Es war etwas anderes. Es war Plato und seine Lieblingsidee, dass die Grundstruktur der Welt mathematisch sei. Auch die Seele. Auch das Gute. Die Mathematik und das Gute: eine Utopie von nie enden wollendem Reiz. Die irrationalsten seelischen Reaktionen: im Grunde auch sie nur hochmolekulare Gebilde, die sich aus mathematisch ableitbaren Elementar-
Phänomenen zusammensetzen. Der Traum der Physiker! Der Traum der Mathematiker! Der Traum der Soziologen! Man baute hochdifferenzierte mathematische Geräte und stellte ihnen die biologische Ungenauigkeit des Menschen gegenüber. Je weniger der Mensch sich selbst verstand, desto größer die Faszination des Maschinenmenschen. Denn dieser war durch und durch verständlich; er war verständlich, weil er gemacht war. Und ebenso musste der Mensch lernen, sich selbst zu machen. Dann würde das Unberechenbare aus der Welt verschwinden und der Mensch sich selbst kein Rätsel mehr sein. Kindischer Traum der Techniker und Ingenieure! Die physische Welt mochte mathematisch strukturiert sein. Es mochte sogar gelingen, die Struktur der Sprache zu mathematisieren. Aber das Sein, die Schuld und der Tod lagen jenseits aller Mathematik!“



 

Heinrich Schirmbeck

Heinrich Schirmbeck

21:46 02 Juni in News

Heinrich Schirmbeck in einem inneren Monolog grübelt er:

„Was nur hatte mich in die magische Wüste der kybernetischen Welt gelockt? Die Lust am mathematischen Spiel? Jener letzte Rest prickelnder Ungewissheit, ob diesen Zwitterwesen aus Transistoren und Dioden nicht doch der Hauch einer Seele zu eigen sei? Kaum. Es war etwas anderes. Es war Plato und seine Lieblingsidee, dass die Grundstruktur der Welt mathematisch sei. Auch die Seele. Auch das Gute. Die Mathematik und das Gute: eine Utopie von nie enden wollendem Reiz. Die irrationalsten seelischen Reaktionen: im Grunde auch sie nur hochmolekulare Gebilde, die sich aus mathematisch ableitbaren Elementar-
Phänomenen zusammensetzen. Der Traum der Physiker! Der Traum der Mathematiker! Der Traum der Soziologen! Man baute hochdifferenzierte mathematische Geräte und stellte ihnen die biologische Ungenauigkeit des Menschen gegenüber. Je weniger der Mensch sich selbst verstand, desto größer die Faszination des Maschinenmenschen. Denn dieser war durch und durch verständlich; er war verständlich, weil er gemacht war. Und ebenso musste der Mensch lernen, sich selbst zu machen. Dann würde das Unberechenbare aus der Welt verschwinden und der Mensch sich selbst kein Rätsel mehr sein. Kindischer Traum der Techniker und Ingenieure! Die physische Welt mochte mathematisch strukturiert sein. Es mochte sogar gelingen, die Struktur der Sprache zu mathematisieren. Aber das Sein, die Schuld und der Tod lagen jenseits aller Mathematik!“