Schirmbeck Stiftung | Heinrich Schirmbeck 25.10.1991 (gekürztes Flugblatt)
Heinrich Schirmbeck, Schriftsteller,
520
post-template-default,single,single-post,postid-520,single-format-standard,ajax_fade,page_not_loaded,smooth_scroll,,qode-theme-ver-2.4
 

Heinrich Schirmbeck 25.10.1991 (gekürztes Flugblatt)

Heinrich Schirmbeck 25.10.1991 (gekürztes Flugblatt)

16:18 18 Oktober in News

Heinrich Schirmbeck
Auf Einladung von Ramsey Clark (ehe. US-Justizminister) an einem Hearing teilzunehmen, mit dem Ziel orientiert an der UN-Charta, den Nachweis zu führen, dass die USA mit dem Beginn des Golfkrieges und im Verlaufe des Krieges gegen Völkerrecht verstoßen haben:

(hier Verzicht auf die Artikel der UN Charta, um den ökonomischen, machtstrategischen und ethnologischen Hintergrund darzustellen.

Für die seit Jahrzehnen schwelende oder in offenen blutigen Konflikte aufbrandende Situation im Nahen Osten tragen die ehemaligen Kolonialmächte wegen ihrer eigenwilligen, die ethnisch-religiösen, territorialen, agrarwirtschaftlichen Traditionen der einheimischen Bevölkerung mit Füßen tretenden, eigenen Interessen über die gewachsenen Strukturen stülpenden Entscheidungen und künstlichen Grenzziehungen nach dem ersten Weltkrieg die Hauptverantwortung. Das Chaos, das daraus entstand haben sie, statt nachträglich wiedergutmachende Korrekturen zu vollziehen, im Gerangel um das Öl, im Prioritätsfeld ihrer Wirtschaftsinteressen zu einem ständigen Brandherd aufgeheizt, in dem sie, je nach strategischer oder wirtschaftlicher Interessenlagen, ihre industriellen und militärischen Technologien warfen.
Dass ein Diktator wie Saddam Hussein nach langen Machtkämpfen schließlich zu einem ideologischen und militärischen Moloch werden konnte, ist ebenfalls, dem Schuldkonto der westlichen Industrieländer (auch Beteiligung der UDSSR und China) anzulasten. Sie haben aus einem ackerbauenden und viehzüchtenden Steppenland mit Beginn der Erdöl- und Erdgas-Förderung durch industrielle Investitionen und Lieferung rüstungstechnischer Anlagen (Giftgasfabrikation, sensible Labortechnik. Atomreaktorbau usw.) ein hochgerüstetes Schwellenland machten, das sie gegen den anti-westlichen islamischen Fundamentalismus einzusetzen hofften.

Gegenüber den Millionenopfern in dem von Saddam Hussein angezettelten Krieg gegen den Iran sowie dem Giftgas-Einsatz gegen die Kurden drückten sie im Interesse ihrer regional-strategischen Langzeitpläne ein Auge zu.

Als aber ihr hochgepäppelter Knappe in das künstliche, ethnisch völlig verzerrte Grenzbeziehungsgefüge der ehemaligen Kolonialmächte eingriff und eine ehemals zu Mesopotamien (dem heutigen Irak) gehörende Provinz zurückholte, da jaulten die ölabhängigen Großmächte auf und schlugen zu. (Diese Bemerkung bedeutet keine Rechtfertigung von Saddam Husseins Invasion).

Ist der Krieg aus Furcht vor Saddams (realer oder nur sagenhafter?) Atombombe, die Israel auslöschen konnte entstanden? Was steckt an gesicherten Tatsachenmaterial hinter diesem Schreckgespenst?
Hier nur einige wenige Daten aus der langen und weitverbreiten Geschichte des Aufbaus einer irakischen Atom-Industrie: Diese Entwicklung begann im Jahre 1957, als der Bagdad-Pakt beschloss, im Irak ein Atomforschungszentrum zu bauen. Der Bagdad-Pakt, gegen den Expansionsdrang der Sowjet-Union gerichtet, war ein Bündnis zwischen Irak, Türkei, Iran, Pakistan und England. Die USA waren assoziiert.
Noch bevor jedoch die vom Westen versprochene Reaktortechnik geliefert werden konnte, wurde der pro-westliche König Feisal gestürzt.
Nach dem Putsch von General Kassem im Jahre 1958 lockte Chruschtschow und bot sowjetische „Atome für den Frieden“. Moskau stattete den Irak bei Tuwaitha mit einem Forschungsreaktor aus, der 1967 in Betrieb ging. Ein Jahr später puschte die sozialistisch orientierte Baht-Partei. Im gleichen Jahr trat der Irak dem Atomwaffen-Sperrvertrag bei.
Da die Sowjets jedoch seit Beginn der sechziger Jahre beim Atom-Export vorsichtiger geworden waren, wurden militärisch einsetzbare Anlagen (Zwei-Zweck-Reaktoren des Tschernobyl-Typs) grundsätzlich nicht exportiert.
Der Irak suchte sich nun für seine nuklearen Geschäfts-Beziehungen einen neuen Partner, die kerntechnisch führende Macht unter den Nichtunterzeichnern des Atomwaffensperrvertrages: Frankreich.
Ende der fünfziger Jahre hatte Paris bereits Israel mit umfassender Atom-Technologie bedient. 1947 reiste Premierminister Chirac nach Bagdad und unterzeichnete ein Atomkooperations-Abkommen. 1976 kamen Paris und Bagdad überein, das Atomzentrum Tuwaitha mit einem Spezial-Reaktor auszustatten. Der Hochflussrektor würde den zehnfachen Neutronenfluss gewöhnlicher Atomkraftwerke haben. Er eignet sich auch zur Herstellung von mindesten zwei Bomben des Nagasaki-Typs pro Jahr.
Die ersten Brennelemente für den Reaktor trafen in Tuwaitha im Juni 1980 ein. Aus Frankreich. Inspektoren aus Wien waren dabei. Am 7. Juni 1981, einige Monate vor der geplanten Inbetriebnahme und ein dreiviertel Jahr nach einem iranischen Bombardement im ersten Golfkrieg, griffen acht israelische Kampfflugzeuge Tuwaitha an. Bomben durchschlugen eine Seite des betonarmierten Reaktorgebäudes und beschädigten bzw. zerstörten Inneneinrichtungen.
Zu Beginn des zweiten Golfkrieges wurde Tuwaitha zum dritten Mal bombardiert – diesmal von den Alliierten. „Ich bin sicher, dass die irakischen Atomreaktoren gründlich zerstört worden sind und für eine ganze Reihe von Jahren nicht in Betrieb sein werden“.
So kommentierte US-General Norman Schwarzkopf, Kommandierender der Alliierten Golf-Truppen, am 19. Januar 1991 den Bombenangriff auf das Nationale Atomzentrum Tuwaitha, 25 km südöstlich von Bagdad.
Hatte zu diesem Zeitpunkt Saddam Hussein bereits die Bombe? In dem den Angriff vorausgehenden Jahren hat der Irak, dem amerikanischen Fachblatt „Nucleonics Week“ zufolge, mehrere Posten angereicherten Urans gekauft, darunter auf 80% angereichertes Uran aus der Sowjet-Union – solches Uran lässt sich leicht zu waffenfähigem Uran anreichern. Doch hätte die im Irak vorhandene technische Anreicherungskapazität erst in einigen Jahren genug hoch angereichertes Uran für eine Bombe liefern können. Trotzdem bleibt unklar, ob Saddams damalige Droh-Andeutungen über die Existenz eines „nuklearen Potentials“ nicht doch, wenn auch auf niederster Stufe, zutrafen.

Das waren wie gesagt, nur einige markante Stationen aus dem sich über Jahrzehnte mit steigender Effektivität erstreckenden Prozess der atomtechnischen Aufrüstung des Irak durch hauptsächlich russische, französische, italienische, deutsche (Nukem) Firmen unter Mitwirkung von Euratom, ein Prozess, der den Irak mit der vollen Kapazität zur Herstellung der Atombombe ausstattete:, denn das „Kernforschungs-Zentrum Tuwaitha“ verfügte im Juni 1981, als es von israelischen Kampfflugzeugen bombardiert wurde, über das gesamte Spektrum von Anlagen des plutonium-Zyklus: Brutelemente-Fabrik, Leistungsreaktor, Wiederaufarbeitungs- und Abfall-Konditionierungs-Anlage.

Ungezählte schuldlose Opfer als Sühne für nukleare Milliardengeschäfte europäischer Konzerne!!
Wahrlich: eine abendländische Ethik von nicht mehr zu überbietender krimineller Absurdität.

Der völkerrechtliche Grundsatz der Verhältnismäßigkeit erlaubt gem. Resolution 678 des UN-Sicherheitsrates die Rückeroberung des Scheichtums Kuweit mit konventionellen Waffen, einen Landkrieg also mit Panzer und Infanterie-Einsatz unter Schonung der Zivilbevölkerung. Einen Landkrieg den die Alliierten scheuten, weil sie eigene Verluste fürchten.
Dafür tauschten sie lieber die Massenverluste der irakischen Bevölkerung in den Städten und Industriegebieten ein, eine erbarmungsvolle Kette von Kriegsverbrechen, die im Januar des kommenden Jahres durch ein welt-weites Anti-Kriegs-Tribunal offengelegt und verurteilt werden.
Zu dessen Materialien auch ein Anklage-Text aus Passagen meines Flugblattes gehören wird.
Das Tribunal wird die ganze kriminelle Absurdität dieses Vernichtungskrieges ins Bewusstsein der Weltöffentlichkeit bringen:

Da marschiert ein Militär-Apparat auf, um das gegnerische Rüstungs- und Vernichtungspotential, welches durch die Investitionen der Auf- Marschierer im wohlverstandenen eigenen Profit- und Machtinteresse aufgebaut wurde, wieder zu zerschlagen, nachdem der hochgepäppelte verbrecherische Diktator abtrünnig geworden ist. Das kapitalistisch-industrielle System zerstört seine eigenen Aufpfropfkulturen, um sie nach Beendigung der Katastrophe im Korsett der Wachstumsideologie wieder aufzubauen. Ein sich selbst erhaltender Prozess von Investition, Vernichtung und Wiederaufbau, der Mensch und Natur mit Füßen tritt.