Heinrich Schirmbeck Stiftung | „Ärgert dich dein rechtes Auge“
Heinrich Schirmbeck, Schriftsteller,
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„Ärgert dich dein rechtes Auge“

„Ärgert dich dein rechtes Auge“

21:52 06 Oktober in News
Heinrich Schirmbeck
„Ärgert dich dein rechtes Auge“ Szene der Besichtigung eines Zyklotron (eines Beschleunigungsapparates für die Atomzertrümmerung), bei der der Vorgang dieser Zertrümmerung in der Unterhaltung mit einer bedeutenden Tänzerin erklärt wird:

„Man könnte sich also“ erlaubte sich Moira in dem gelehrten Wust eine Zwischenbemerkung, „den Weg des Geschosses wie eine immer schneller werdende Pirouette vorstellen, die schließlich in einem unvorstellbaren Wirbel ende?“
„Wenn sie die Sache tänzerisch ausdrücken möchten, dann meinetwegen so“, sagte der Capitaine.
„Und wie lange dauert eine solche Pirouette?“ fragte Moira.
„Vierzig Mikrosekunden“, sagte der Weißbekittelte.
„Und was ist eine Mikrosekunde?“
„Ein Millionstel einer Sekunde, Madame.“

Nach der Besichtigung wird die Unterhaltung fortgesetzt bis in die Tiefe der Existenz, der Fragen, was denn das Phänomen Leben und das Phänomen Tod seien. Und es heißt:

„In den Strukturen allein liegt die wirklichkeitsbildende Potenz. Und hier berührt sich moderne Physik mit der Choreographie. Auch der Tanz hat es mit der Dynamik der Formen zu tun. Was er erstrebt, ist die Befreiung von den Fesseln der Physiologie. So betrachtet, gehört er in die vorderste Avantgarde der biologischen Fortentwicklung….“

Aber für die aus der Ganzheit und aus ihrer Weiblichkeit lebende Tänzerin ist es unmöglich, diese Abstraktion, diese Demonstration ihrer Kunst als Modellfall physikalischer Wirklich-
keit zu ertragen. Sie ist in ihrem schöpferischen Zentrum tödlich getroffen.